Die Schweiz ohne beide Grossbanken - ein Vorteil!

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Die Schweiz ohne beide Grossbanken - ein Vorteil!

Von René Zeyer, 05.08.2011

Was ist der Unterschied zwischen einem UBS/CS-Aktionär und einem Masochisten? Keine Ahnung, denn beide zahlen dafür, gequält zu werden.

Das waren noch Zeiten. Die UBS-Aktie stand auf über 75 Franken, das Papier der Credit Suisse gar auf 96. Dann passierte der grösste Bankraub aller Zeiten, auch bekannt als Finanzkrise I. Aus der sind wir ja angeblich raus, allerdings nur, um in die Finanzkrise II einzusteigen. Während die beiden CEO Oswald Grübel (UBS) und Brady Dougan (CS) ungerührt Durchhalteparolen ausgeben (und Letzterer dafür auch noch alles in allem mehr als 100 Millionen Franken kassiert), kennen die Kurse nur eine Richtung: nach unten.

Munter runter

Allein in den letzten sechs Monaten verlor die UBS-Aktie rund 30 Prozent an Wert, sie sackte von knapp 20 Franken auf unter 12 ab. Das CS-Papier tauchte im gleichen Zeitraum von 45 Franken auf 25, ein Verlust von satten 41 Prozent. Diese Prozentzahlen sind zudem sehr schmeichelhaft, denn weniger von sowieso schon wenig hübscht bekanntlich das Resultat auf. Und die aktuellen Massaker, als Momentaufnahme steht die UBS-Aktie gerade auf knapp über 10 Franken, sind gar nicht berücksichtigt.

Aber neben Beileidsbekundungen für die masochistischen Aktionäre möchte ich hier nochmals meine These untermauern, dass "Fort mit Schaden" also ein Verschwinden der beiden Grossbanken in ihrer heutigen Form, das Beste wäre, was der Schweiz passieren könnte. Und deren Besitzern.

Denn eigentlich sollten UBS und CS doch zwei Unternehmen sein, die für ihre Eigentümer, die Aktionäre, Gewinn erwirtschaften. Stattdessen gibt es fast keine Dividenden und satte Verluste, während sich bonusgierige Angestellte dumm und krumm verdienen. Das ist die völlige Pervertierung kapitalistischer Grundprinzipien.

Wie war’s bei der Swissair?

Nicht nur in einigen Kommentaren zu meinem diesbzüglichen Artikel, sondern auch in der öffentlichen Debatte wird ein Abgang von UBS und CS als schädlich, undenkbar, unmöglich bezeichnet. Erinnern wir uns kurz an das damalige Schlamassel der Swissair-Rettung. Nach dem Grounding der Airline wurde argumentiert, dass die Schweiz ja aus vielen Gründen eine eigene Fluggesellschaft brauche und man deshalb der Swiss mit Staatsmilliarden Starthilfe geben müsse.

Das Resultat ist bekannt: Mehr als 3 Milliarden wurden verlocht, anschliessend wurde die Swiss für ein Trinkgeld an die Lufthansa verscherbelt. Die damals federführenden Apologeten der freien Marktwirtschaft verstiessen dabei gegen eine banale Grundregel des Kapitalismus: Wo Nachfrage existiert, gibt es auch Angebot. Wenn genügend Menschen von Zürich, Basel, Genf oder Bern abfliegen möchten, dann landen und starten dort auch Flugzeuge. Mit oder ohne Schweizerkreuz auf der Heckflosse.

Gilt auch für Banken

All die ins Feld geführten Tätigkeiten von UBS und CS, die ihre Weiterexistenz in der Schweiz angeblich unabdingbar machen, können problemlos, wenn dafür Nachfrage existiert, von anderen Banken übernommen werden, seien das Schweizer Finanzinstitute oder Filialen ausländischer Grossbanken.

Entscheidender Unterschied: Der Schweizer Staat hätte nicht mehr das Klumpenrisiko, auf Banglisch «too big to fail», einer sich verzockenden Schweizer Grossbank nochmals unter die Arme greifen zu müssen. Die zudem im Ausland allfällige Gewinne generiert und versteuert, im Inland aber wie die UBS keine Steuern zahlt und nur potenzielle Risiken in die Schweiz transferiert. Von anhaltenden Reputationsschäden und drohenden Milliardenzahlungen für frühere Sünden wie Beihilfe zur Steuerhinterziehung ganz zu schweigen.

Die Verlierer

Sicher gäbe es auch Verlierer. 45 000 Banker müssten sich einen anständigen Beruf suchen. Luxus-Boutiquen, Vertretungen von Auto-Nobelmarken, auf Spesenritter spezialisierte Restaurants und Hotels, Escort-Services, Golfplätze, Yachtbauer, Personal Trainer und Fashion Consultants würden schmerzliche Umsatzverluste verzeichnen. Das sind aber alles, im Vergleich zum GAU einer nochmaligen Bankenrettung mit Staats-Multimilliarden, Peanuts, wie ein Banker sagen würde. Zudem wäre das die konsequente Umsetzung eines weiteren Grundprinzips der freien Marktwirtschaft: Risiken minimieren, sichere Gewinne maximieren. Was in einem sauberen und überschaubaren Finanzplatz Schweiz problemlos möglich wäre.

Der Herr Villiger

Faszinierend ist, dass man bei all diesen Debakeln immer wieder auf einen Namen stösst. Es kann ja eigentlich kein Zufall sein, dass Kaspar Villiger als damaliger Finanzminister der Ritter von der traurigen Gestalt war, als es um die gescheiterte Rettung der nationalen Airline ging, die mit einem Milliardenverlust von Steuergeldern endete. Es kann auch kein Zufall sein, dass Kaspar Villiger in seinem nächsten Job als Verwaltungsrat der Swiss Re und Mitglied des Risikoausschusses der Ritter von der traurigen Gestalt beim damaligen Milliarden-Debakel des Versicherungskonzerns war.

Es kann doch kein Zufall sein, dass der gleiche Kaspar Villiger als VR-Präsident der UBS amtiert, während deren Aktienkurs in den Keller geht und ihre Rettung eine Krise des Rechtstaates auslöste. Vielleicht ein Tipp an clevere Unternehmen: Wer sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen will, sollte dafür sorgen, dass beim Konkurrenten Kaspar Villiger angestellt wird. Er tritt ja nächstes Jahr bei der UBS zurück.

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