Mobilität und Kommunikation verschmelzen

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Mobilität und Kommunikation verschmelzen

Von Roland Jeanneret, 02.10.2016

Am 1. Oktober eröffnete das Verkehrshaus der Schweiz die neue „Media World“. Hier kann die Medienwelt von morgen bereits heute erlebt und ausprobiert werden.

Haben Sie sich am Fernsehen bestaunen können, wie Sie in Manhattan über ein hoch oben gespanntes Seil zwischen zwei Wolkenkratzern rüberbalancieren? Oder war es Ihr Seiltanz über dem Gran Canyon, der dem Publikum Handschweiss austrieb? Andere sehen sich dagegen lieber geerdeter und treten als Star im Scheinwerferlicht eines Monstergigs auf.

Was wir eher im Traum erleben, lässt sich jetzt für jedermann und jedefrau problemlos in der Media World im Verkehrshaus der Schweiz darstellen. Die zehn Stationen einer neuen Erlebniswelt laden Besucherinnen und Besucher ein, die Medien von morgen bereits heute kennen zu lernen, sei es als Regisseur, Digitalgestalter oder Zuschauer. Nach Angaben des Verkehrshauses eine Weltneuheit!

Virtual Reality

Der millionenteure neue Sektor im Verkehrshaus bietet eine Flut von Informations- und Gestaltungsmöglichkeiten. Bereits die interaktive Medienwand am Eingang enthält 300 Beiträge aus Highlights der TV-Geschichte; die Besucher können mittels Touchscreen selber auswählen.

Im professionellen TV-Studio lassen sich mit etwas Geschick (und anwesender Assistenz) mittels allerneuster Technik Fernseh-Produktionen selber herstellen. In der GreenBox können – wie eingangs erwähnt – Protagonisten vor unterschiedlichen Hintergründen agieren. Im sogenannten Lab geht’s um die Virtual Reality: Mit 360°-Brillen kann der Benutzer aus einem Video jenen Bildausschnitt selber aussuchen, den er gerade möchte. Nicht mehr der Produzent der Bilder, sondern der Konsument bestimmt, was er an einer Szene interessant findet.

So wurde mir fast schwindlig, in rasendem Tempo die Kitzbüheler Streif hinunterzuflitzen und zwischen dem Blick auf das Gesicht des Skirennfahrers, seiner Sicht auf die Rennpiste, dem flüchtigen Augenschein auf die kaum mehr wahrnehmbaren Zuschauer am Pistenrand oder auf die flatternden Skispitzen im Schnee auszuwählen… Im 360° Booth stehen 36 kreisförmig angebrachte Kameras, um alle Bewegungen in einem „Selfie“ zur Weiterverarbeitung abspeichern zu können. Klar gehört dazu, dass Produziertes über App abgerufen und auf dem Handy gespeichert werden kann – ab 2020 wahrscheinlich bereits in G5-Norm, die noch viele weitere Möglichkeiten bieten wird als heute. In der Media World muss man für alle künftigen Überraschungen gewappnet bleiben.

Medienschulung der Zukunft

Die Bilderwelt der Zukunft gewinnt mit dieser Technik enorm an Emotionalität. Dies nutzen Firmen, Institutionen und bereits gar Hilfswerke, um den Rezipienten ihre Botschaften emotionaler näher zu bringen – und sie wohl auch mit Werbebotschaften besser beeinflussen zu können. Wie Verkehrshausdirektor Martin Bütikofer betont, geht es bei der eben eröffneten Media World nicht nur um Faszination – er sieht in den Kommunikationsentwicklungen auch Gefahren: „Einerseits möchten wir Topthemen frühzeitig zeigen – und ich erwarte, dass hier vor allem Schulklassen praktische Medienausbildung betreiben, aber auch z. B. Startup-Unternehmen ihre Kommunikation und Produktionen ausprobieren können.“

Kommunikation und Mobilität?

Wie kommt ein derart aufwändig gestaltetes Kommunikationslabor in ein Verkehrshaus, das sich bis jetzt auf jede Art von Verkehrsmitteln spezialisiert hat? Gehört Media World nicht eher in ein Museum für Kommunikation, das sich ebenso mit digitalen Entwicklungen der Zukunft befasst? Verkehrshausdirektor Bütikofer ist über unsere Frage nicht erstaunt: „Kommunikation und Mobilität sind viel enger miteinander verbunden, als es auf den ersten Blick scheinen mag, und sie rücken immer noch näher und näher zusammen. Für unser Haus ist diese Verbindung geradezu ideal, umso mehr, als sich Synergien mit anderen Sektoren wie Filmtheater oder  Planetarium ergeben.“

Medienpartner Red Bull

Die neue Attraktion im Verkehrshaus wurde in kürzester Zeit realisiert. Marketingleiterin Jacqueline Schleier hat den Aufbau zu ihrer persönlichen Herausforderung gemacht und meint zu journal21: „Wir sind mächtig stolz, dieses Projekt mit Umbau, Soft- und Hardware in bloss 100 Tagen realisiert zu haben.“

Dass die neue Medienwelt so rasch umgesetzt werden konnte, liegt allerdings zu einem grossen Teil an der Partnerschaft mit Red Bull. Der Energydrink-Hersteller hat nicht nur eine grosse Erfahrung in konventionellen Medien (wo er das trendige Print-Magazin „The Red Bulletin“ in Riesenauflage herausgibt), sondern betreibt ein eigenes Internet-Fernsehen. Wie Schweiz-CEO Marco Camenzind bestätigt, wird das Red Bull Media House Salzburg auch für ihren TV-Auftritt im Verkehrshaus Produktionen realisieren. Für beide – Verkehrshaus und Red Bull Media – dürfte somit diese Partnerschaft eine echte Win-Win-Situation werden.

Anmerkung:

Für den Besuch der Media World kann entweder ein spezieller Eintritt gelöst werden oder es gilt der allgemeine Eintritt ins Verkehrshaus.        

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