Soforthilfe: ZämeFürAlli

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Soforthilfe: ZämeFürAlli

Von Roland Jeanneret, 16.04.2020

Trotz Milliardensummen, welche die Eidgenossenschaft als Hilfe - vor allem als Darlehen – in der Corona-Krise leistet, fallen Tausende von Betroffenen durch die Maschen und stehen bereits jetzt vor schweren existentiellen Problemen. #zämefüralli ist eine der raschen, unbürokratischen Hilfsaktionen.

«Ihr seid wundervoll!! Vielen Dank für die schnelle Hilfe – es hat uns zu Tränen gerührt, als wir heute die Zahlung von euch erhalten haben. Zum ersten Mal seit dem Lockdown hatten wir das Gefühl, nicht vergessen gegangen zu sein …», steht in einem Dankesmail an die Crowdfunding Plattform «I care for you». Und eine junge Familie, die vor dem Problem steht, Miete und Leasinggebühr bezahlen zu müssen, doppelt nach: «Wir sind einfach nur sprachlos und hätten es nie für möglich gehalten, dass sowas so rasch zu Stande kommt und zur richtigen Zeit!»

Bänke hochgestellt – mitten in der Stadt. Finanzielle Katastrophe für zahlreiche Unternehmen. Foto: Roland Jeanneret
Bänke hochgestellt – mitten in der Stadt. Finanzielle Katastrophe für zahlreiche Unternehmen. Foto: Roland Jeanneret


Die Aktion «ZämeFürAlli» konnte innert weniger Tage bereits 165 Gesuche behandeln und hat dabei über 412’000 Franken an Hilfe ausbezahlt. Zahlreiche weitere Anfragen sind bereits in Abklärung.

Schuldlos in der Klemme

Wie kommt es, dass so rasch so viele Alleinerziehende, Familien, Selbständigerwerbende, Kulturschaffende etc. innert so kurzer Zeit in finanzielle Notsituationen geraten? Ein junger Koch schildert, wie er seinen sicheren Job gekündet und sich auf eine Saisonstelle für diesen Sommer beworben hat. Zurzeit ist dieser Betrieb aber geschlossen. Zahlreichen Kulturschaffenden wurden Bühnenauftritte und Tourneen gestrichen, selbständige Maler oder Karikaturisten hatten seit Monaten Vernissagen geplant, die jetzt alle abgesagt werden mussten. Eine alleinerziehende Mutter, nur im Stundenlohn beschäftigt, musste sich kurzfristig um ihre beiden schulpflichtigen Kinder kümmern. Kleingewerbler, die eben mit einem eigenen Betrieb starten wollten, stehen unvermittelt vor dem Nichts. Eine Familie wollte im April auswandern und hat Jobs und Wohnung gekündigt – anderseits wurde ihre Einreise gesperrt: kein Einkommen, kein Zuhause mehr … Ähnliche Fälle lassen sich reihenweise aufzählen.

Geld von Stiftungen und Privaten

Hinter der Hilfsinitiative stehen zwei Frauen: Die Unternehmerin Nicole Herzog und Corinne Wissing-Daepp, die bereits seit Jahren in sozialen Projekten tätig ist. Unterstützt wurden sie finanziell durch bekannte Stiftungen und wohlhabende Privatpersonen. Die meisten sind seit längerem in der Crowdfunding-Plattform «I care for you» engagiert, die sich ausschliesslich für humanitäre und soziale Projekte engagiert und dadurch steuerbefreit ist. Die Aktion «ZämeFürAlli» wurde vor wenigen Tagen bei einem Rundgang auf dem Berner Hausberg Gurten ausgeheckt und nach dem Eintreffen von Spenden von über einer Million Franken sofort in die Tat umgesetzt.

Nach ihrer Motivation befragt, sagt Nicole Herzog: «Ich hatte viel Glück in meinem Leben und empfinde es als Privileg, helfen zu können. In diesen schwierigen Zeiten sowieso.»

Spenden: Postkonto 61-656138-8 bzw. IBAN CH46 0900 0000 6165 6138 8

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