Vertrauen verzockt

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Vertrauen verzockt

Von René Zeyer, 11.07.2014

Über 1000 ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter der CS bekamen dicke Post. Ihre Namen werden an die USA ausgeliefert. Berufsrisiko im modernen Banking?

Nehmen wir an, Peter Nötzli arbeitete im Back Office der Credit Suisse. Stellvertretend für seinen in den wohlverdienten Golfferien weilenden Chef beantwortete er die E-Mail eines US-Kunden mit der Mitteilung, dass sich sein Chef in einem Fortbildungskurs befinde. Inzwischen ist Nötzli pensioniert und plant, diesen Sommer seinen Enkelkindern Disneyworld in Florida zu zeigen. Keine gute Idee.

Rückblende

Vor einem Jahr wurde vom Schweizer Parlament die unsägliche Lex USA abgeschmettert. Sie hätte den Amerikanern für mindestens ein Jahr die Oberhoheit über den Schweizer Finanzplatz verschafft. Soweit der Inhalt bekannt war, denn die Parlamentarier wurden nur rudimentär informiert. Und zwei Monate später feierte die gleiche Gesetzgebung ihre Wiederauferstehung. Diesmal als Regierungsvereinbarung, die weder durch ein Referendum noch durch einen Parlamentsbeschluss verhindert werden konnte.

Zu dieser Kapitulationsurkunde gehört, dass Schweizer Banken, nachdem sie ihre Kunden verraten haben, auch ihre Mitarbeiter verraten dürfen. Konkret werden die Namen aller Angestellten den US-Behörden übermittelt, die jemals mit US-Kunden zu tun hatten. Unabhängig davon, ob sie sich aktiv an Steuerhinterziehung beteiligten oder nicht. Unabhängig davon, ob sie das in Überschreitung von internen Reglementen oder in Erfüllung einer Weisung taten. Noch fataler: Die USA haben keinerlei Garantie abgegeben, dass sie gegen diese verratenen Mitarbeiter keine Strafverfolgungsmassnahmen einleiten.

Was tun?

Jeder bei der CS davon Betroffene, so viel Rechtsstaat muss dann doch sein, hat bis am 28. Juli Zeit, gegen die Offenlegung seines Namens Einsprache einzulegen. Schon vorher mussten sich CS-Mitarbeiter gerichtlich das Recht erkämpfen, überhaupt eine Kopie der über sie an die USA ausgelieferten Informationen zu bekommen.

Nehmen wir nun an, Peter Nötzli sei noch nicht pensioniert, sondern weiterhin bei der CS angestellt. Möchte gerne noch etwas Karriere machen, sein Traumziel erreichen, zum Managing Director mit Zugang zu den Bonustöpfen zu werden. Ist es da wirklich eine laufbahnfördernde Massnahme, mit einem Anwalt bewaffnet gegen seinen Arbeitgeber vorzugehen? Ob sich das beim nächsten Qualifikationsgespräch wohl gut macht?

Ist es eine Alternative, sich ein Magengeschwür wachsen zu lassen, wenn Nötzli zuschauen muss, wie sich seine obersten Vorgesetzten, Bonus-King Brady Dougan und Tauchstation-VR-Präsident Urs Rohner, eine «weisse Weste» attestieren? Oder zusätzlich Kreislaufprobleme zu kriegen, wenn sich Nötzli daran erinnert, dass sich der ehemalige Chef Private Banking, Föhnfrisur Walter Berchtold, durch eine Aussage in den USA fröhlich Reisefreiheit erkaufte?

Fürsorgepflicht, was soll’s

Gerade bei Geldgeschäften – führende Banker werden nicht müde, das eins ums andere Mal zu wiederholen – zählen ja sogenannte Soft Factors noch mehr als Zahlen: Vertrauen, Seriosität, Vorbild, Ehre, Zuverlässigkeit, Verantwortung, Fürsorgepflicht des Vorgesetzten gegenüber dem weisungsgebundenen Untergebenen. Der doch wohl davon ausgehen darf, dass er in Befolgung einer Anordnung nicht befürchten muss, damit in Teufels Küche zu geraten.

Dagegen stellt aber die CS-Führung die Position: Wir haben eine weisse Weste und übernehmen Verantwortung, indem wir nicht zurücktreten. Die US-Kunden, die auf unser Wort und das Schweizer Bankgeheimnis vertrauten, haben halt Pech gehabt. Die Besitzer der Bank, die als Aktionäre letztlich die Rekordbusse von 2,8 Milliarden Dollar zahlen müssen, haben auch Pech gehabt. Ach, und alle Mitarbeiter der CS, die jemals mit einem US-Kunden zu tun hatten, ebenfalls.

Ein Desaster nach dem anderen

Die Milliardenbusse kann die CS wegstecken. Die Aufgabe des Geschäftsmodells Beihilfe zur Steuerhinterziehung ebenfalls. Die Stigmatisierung als kriminelle Bank wohl auch. Aber die CS besteht nicht in erster Linie aus Computern, Algorithmen, Sitzungszimmern und Boni. Sondern aus Mitarbeitern. Das Fundament der Bank bilden nicht die paar hundert Managing Directors mit je nach Position immer freierem Zugang zu den Bonustöpfen.

Sondern die Tausende von CS-Angestellten, die für einen durchaus überschaubaren Lohn im Maschinenraum die eigentliche Arbeit verrichten. Fast ausschliesslich zuverlässig, anständig, seriös. Sie tun das, was man von einem Mitarbeiter erwarten darf: die ihm übertragenen Aufgaben weisungsgemäss erledigen. Wer wagt sich vorzustellen, was in diesen Mitarbeitern, ob von Datenauslieferung betroffen oder nicht, vorgeht?

Führung besteht aus Vorbild. Führung bringt Verantwortung. Führung ist nur glaubhaft, wenn sie diesen Massstäben genügt. Ein Chef, der eine 2,8-Milliarden-Busse zu verantworten hat, erfüllt diese Kriterien nicht. Ein Chef, der ein Schuldeingeständnis kriminellen Handelns unterschreiben lässt, erfüllt sie nicht. Ein Chef, der sich aus der Verantwortung stiehlt, erfüllt sie nicht. Ein Chef, der seine Fürsorgepflicht nicht wahrnimmt, erfüllt sie nicht.

Düstere Zukunft

Es wird keinen Massenaufstand der CS-Mitarbeiter geben. Es wird keine Streiks, Demonstrationen, Protestaktionen geben. Es wird keine Massenkündigungen geben. Es werden nur ganz wenige Mitarbeiter wagen, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Auslieferung ihres Namens an die USA zu wehren.

Aber all das, was man zusammenfassend als Betriebsklima bezeichnet, das wertvollste Gut jedes Unternehmens, die Motivation der Mitarbeiter, ihr Vertrauen in die Führung, ihr Respekt vor der Führung, all das ist verspielt und verzockt. Ein sagenhaftes Versagen.

Illoyalität von oben ist eben ab 1984 zur Normalität geworden. Seither besaufen wir uns seither regelmässig mit dem Cacao, durch den wir gezogen werden.

Wieder einmal eine hervorragende Darstellung der traurigen Realität der CS. Ich frage mich langsam, wann werden sich die Aktionäre dieser Instituition bewusst wie sehr sie von dem Duo Dougan/Rohnan an der Nase herumgeführt werden? Von den Mitarbeitern ganz zu schweigen!
Aktionäre und Verwaltungsrat sind bitte schnellstens aufgefordert sich ihrer Verantwortung zu stellen und entschieden gegen diese Führungskräfte zu handeln.

Guter Bericht.

Ich erwarte, dass man den unfähigsten CEO aller Banken schnellstmöglich entfernt. Entweder hatte Dougan er von der CIA den Auftrag die Bank zu zerstören, oder er ist schlicht unfähig. So oder so, dieser Versager muss jetzt weg.

Überhaupt habe ich keinerlei Vertrauen mehr in ausländische Verwaltungsräte und CEOs, habe zuviel erlebt. Entweder kapieren sie die Schweizer Qualitäten nicht und zerstören unsere jahrzehntelang aufgebaute Qualität nachhaltig.
Oder sie zerstören die Firmen absichtlich nach System. Wenn ich wetten müsste, würde ich auf das zweite Tippen. Ich könnte mittlerweile ein Buch über dieses Thema schreiben. Fact ist wir erleben gerade einen Wirtschaftskrieg und werden von den USA und auch von der EU allen voran Deutschland angegriffen.

Der Angriff auf die Schweizer Banken durch die US Justiz entstand nicht, weil man die Steuergelder haben wollte, oder weil die US-Justiz Gerechtigkeit haben will. Denn sonst würde man die eigenen Steuerparadiese in Delaware und die noch existierenden britischen schnellstens einstampfen und man hätte die Banken nicht selbst jahrzehntelang geduldet und auch davon profitiert. Wie ich hörte blühen die LLC-Geschäfte wie noch nie, auch dank Vizepräsident Joe Biden. Ein Staat mit 900‘000 Einwohner und 700‘000 Firmen. Eine florierende Waschanlage.

Nein es geht darum anderen Staaten zu schaden und in den USA eine Oase aufzubauen. So macht die USA von Erpressung nicht Halt. Auch Frankreich mit der Bank BNP leidet unter dieser Praxis. Doch ich befürchte, die USA haben sich mittlerweile zu viele Feinde gemacht. Denn die Franzosen wollen nun wie die BRICS-Staaten den Dollar als Leitwährung loswerden und haben genug von der Bevormundung der Amerikaner. Und dies könnte den USA jetzt weh tun, denn Frankreich fordert, dass man innerhalb der EU Geschäfte nicht mehr mit Dollar bezahlt.

Wenn ich die Schweizer Justiz wäre, würde ich eine Schweizer Firma (keine Bank) suchen die in Delaware ein Konto hat und die Bank wegen Steuerhinzerziehung in der Schweiz anklagen und mit aller Härte vorgehen.

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