War’s das für Dougan?

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War’s das für Dougan?

Von René Zeyer, 24.10.2013

Der CEO der CS verkündete «10 Prozent Gewinn in schlechten Zeiten». Im Moment sind’s 4 Prozent. Also furchtbare Zeiten. Aber nur für den Aktionär, nicht für Dougan.

Es hat immer etwas von Monty Python, wenn der Boss der CS sagt: «We are a Swiss Bank.» Für Schweizer, die des Englischen nicht mächtig sind, übersetze ich gerne seine weiteren Aussagen: Es ist «ein solides Resultat in einem herausfordernden Umfeld». Insgesamt «a good performance». Oh, Pardon, da bin ich doch wieder in Schweizerdialekt gefallen.

Aber Scherz beiseite, das heute veröffentlichte Quartalsergebnis ist ausgesprochen mies. 454 Millionen Reingewinn bedeuten für die Aktionäre lausige 4 Prozent Gewinn. Dass die Analysten mal wieder «überrascht» und «enttäuscht» sind, weil sie das Doppelte erwarteten, ist dabei nur der ewige Nebenscherz, der beweist, dass ihre Tätigkeit meistens rausgeschmissenes Geld bedeutet.

Das Investmentbanking

In all dem Zahlendschungel, aus dem moderne Quartalsergebnisse von Banken bestehen, greifen wir einen Indikator heraus, der das eigentliche Problem beschreibt. Die Cost-Income-Ratio, wie das Dougan nennen würde, wenn er sie nennen täte. Also das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Um einen Franken zu erwirtschaften, mussten im Investmentbanking 91 Rappen aufgewendet werden. Im Private Banking, also der Vermögensverwaltung für reiche Einzelkunden und grosse institutionelle Anleger, mussten dagegen nur 68 Rappen für einen Franken ausgegeben werden.

Und dabei war es im Investmentbanking ein gutes Quartal, die CS hat sich nicht verzockt, in diesem Spielcasino keine grossen Beträge auf die falschen Zahlen im Roulette gesetzt. Aber eigentlich wäre dieses Missverhältnis bei Aufwand und Ertrag für jeden Besitzer einer KMU ein klares Signal, seine beiden Geschäftsfelder mal grundsätzlich zu überdenken. Also Private Banking ausbauen, Investmentbanking runterfahren. Nun ist Dougan aber Investmentbanker von Haus aus, und ein guter Rechner. Allerdings in erster Linie, wenn es um sein Portemonnaie geht.

Der Millionen-Mann

Wir erinnern uns noch, dass 2010 ein ziemliches Gebrüll gab, als die CS bekannt gab, dass Dougan im Geschäftsjahr 2009, also zum Höhepunkt der Finanzkrise 1, einen Bonus von über 70 Millionen Franken kassierte. Während Tausende von Lehman-Opfern, die von der CS in diese Papiere mit hineinberaten worden waren, sich ihren Spargroschen ans Bein streichen konnten. Daraus hat Dougan natürlich gelernt.

Denn man kann auch leiser an Millionen kommen. Wir erinnern uns noch, 2012 fuhr die Schweizerische Nationalbank der CS an den Karren und kritisierte, die Bank sei unterkapitalisiert. Daraufhin legte die CS unter anderem ein Programm auf, dass ihre Mitarbeiter Bonusansprüche von Bargeld in Aktienansprüche umwandeln können. Zum Freundschaftspreis von 16.29 Franken pro Aktie. Wer das, wie Dougan, in Anspruch nahm, konnte sich darüber freuen, dass der Kurs anschliessend bis auf 29 Franken stieg. Mit seiner halben Million Ansprüche machte Dougan so einen netten Gewinn von 75 Prozent in nur einem Jahr. 6 Millionen Franken, erst noch steuerfrei. Okay, sind Peanuts im Vergleich zu 70 Millionen, aber immerhin.

Baustelle CS

Neben Sparmassnahmen in der Höhe von inzwischen 4,5 Milliarden Franken hat die CS ebenfalls angekündigt, sowohl im Investmentbanking wie im Private Banking je eine «nicht strategische Einheit» zu schaffen. Das ist Bankertalk für zwei «Bad Banks» innerhalb der CS, wie das der Finanzblog «Inside Paradeplatz» völlig richtig bezeichnet. Also Abwicklungsgefässe zur Entsorgung von überflüssigen Mitarbeitern und abzubauenden Geschäften.

Aber das reicht natürlich nicht, um der CS neuen Wind in die Segel ihres Logos zu blasen, damit sie im ewigen Zweikampf mit der UBS nicht in deren Kielwasser bleibt. Eigentlich müsste hier, auch personell, Remedur geschaffen werden. So etwas ist Aufgabe des Verwaltungsrats einer Bank, zuvorderst Aufgabe des VR-Präsidenten Urs Rohner. Der liebt aber die Tauchstation. Als guter Jurist hält er sich am liebsten so lange wie möglich unter der Oberfläche in der Ruhe der Tiefe, fährt das Teleskop aus und schaut, woher der Wind weht und wie hoch sich die Wellen an der Oberfläche auftürmen. Oder, wer weiss, vielleicht kann Rohner nicht gut genug Englisch, um die Ausführungen seines CEO zu verstehen.

Warten auf das Ende

Nun ist ein verhagelter Quartalsabschluss selbst im modernen Turbobanking noch kein ausreichender Grund, um zuoberst Köpfe rollen zu lassen. Also werden wohl noch das letzte Quartal und dann die Jahresbilanz abgewartet. Obwohl die strukturellen Defizite, unter denen die CS leidet, dieses Jahr überdauern werden. Und von Dougan zu verantworten sind, der mit seinen Entscheidungen ungefähr ein Jahr hinter der UBS herhinkt.

Aber wie auch immer diese Ergebnisse ausfallen werden, es ist sehr bedauerlich, dass es noch kein Derivat gibt, mit dem man gehebelt auf zukünftige Aussagen eines CEO wetten kann. Ich würde einen hübschen Batzen, mit einem Hebel von mindestens 50, darauf setzen, dass wir hören werden: «It is a solid result in a challenging environment, a pretty good performance.» Das übersetze ich jetzt nicht, so viel Banglish einer Schweizer Bank sollte der Leser doch inzwischen beherrschen.

 

Keine Kommentare hmmm da ist etwas mit der Glaubwürdigkeit des Propheten passiert

Der Prophet ist geflüchtet.

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