Zeit der Narzissten?

Ruth Enzler's picture

Zeit der Narzissten?

Von Ruth Enzler, 18.02.2015

In der Flut der Waren und Ich-Entwürfe kann das Selbst untergehen, und der Narziss tritt auf.

Die Auswahl an Möglichkeiten in der heutigen Moderne wird immer grösser und die Geschwindigkeit des Wandels nimmt zu. Das einzige, worauf wir uns verlassen können, ist der Wandel. Was heute noch richtig war, ist morgen verpönt, was heute in Mode ist, ist morgen schon out. Wie soll der Einzelne in diesen Zeiten noch ein stabiles, solides Selbst entwickeln? Wonach richten wir unsere innerste Haltung aus? Wo finden wir Halt?

Verschwimmende Grenzen

Bis gegen Ende der 80er Jahren waren die gesellschaftlichen Strukturen und die Feindbilder klar definiert. Wir kannten die geistige Landesverteidigung im Kalten Krieg, die Stimmen der 68er Generation gegen die starren Gesellschaftsstrukturen und gegen den Kapitalismus bis hin zu der Gründung der Grünen Partei für den Erhalt unserer Umwelt und die Abschaffung der AKWs („AKW – Nein danke!“). Diese Bewegungen hatten etwas Stabiles, und vor allem grenzte sich die eine Gruppe von anderen Gruppierungen klar ab. Es gab keine Zugehörigkeit zu „beiden“ oder nur „ein bisschen“, es galt die akkurate Grenzziehung des „Entweder-Oder“.

Heute sind die eindeutigen Feindbilder weitgehend verschwunden, die Gruppierungen unterscheiden sich oft nicht mehr deutlich voneinander und die Kinder der Grünen handeln nicht selten erstaunlich pragmatisch. So fahren sie zum Beispiel einen VW-Bus, um ihre Musikinstrumente für bevorstehende Konzerte einladen zu können. Und wenn dann schon so ein Auto herumsteht, warum mit ihm nicht gleich auch in die Ferien fahren?

Ablenkung vom Ich

Die meisten von uns fliegen in die Ferien und fahren dafür ein „ökologisches“ Automobil – oder gar keines - und zahlen, wo immer wir können, den CO2-Ausgleich. Welcher inneren Haltung entspringt ein solches Verhalten? Zu welcher Gruppierung gehören wir? Wo sind die abgrenzenden und ausschliessenden Merkmale der einen oder anderen Gruppierung? Bevor uns diese Fragen beschäftigen, kommt uns die Informationsflut entgegen und lenkt uns von solch schwierigen Themen ab. Immer ist Ablenkung da und stetig ändern sich die Ansichten über einen Sachverhalt. Wir schwimmen im Strom mit, lullen uns ein und entfernen uns allmählich von uns selbst.

Die Frage, wer bin ich und welcher inneren Haltung ich folge, wird erst gar nicht gestellt oder die Antwort bleibt offen. Parallel dazu verzeichnet unsere Gesellschaft eine Zunahme der psychischen Krankheiten und Erschöpfungssymptome. Psychotherapeuten und Psychiater stellen bei den zu behandelnden Menschen nicht selten eine Sinnentleerung fest. Wie kommt es dazu?

Wert der Langeweile

Die Aussenorientierung nimmt zu. Wer ich bin, zeigt sich an meinem Besitz, dem gesellschaftlichen Status und wofür mich die anderen halten. Wir überlassen also der äusseren Welt die Definition über unser Inneres. Gerade in der heutigen Zeit besässen wir aber die Freiheit, das zu sein, wozu wir uns selber entschliessen. Es ist ein Paradoxon, dass wir die Freiheit, die wir de jure haben, de facto nicht nutzen und uns über Äusserlichkeiten definieren lassen.

Gleichzeitig lassen wir unser Innerstes verkümmern und entfernen uns von unserem Selbst. Unsere Kinder müssen, weil das Gehirn zu diesem Zeitpunkt so ungemein aufnahmefähig ist, Frühenglisch, Frühchinesisch, Frühgeige, Früh-… was immer lernen, wobei auch der Sport, die Reitstunde und das Ballett nicht zu kurz kommen sollen. Wo bleibt die Zeit für die eigene Entwicklung? Langeweile, Momente des Innehaltens, der nicht gefüllten Zeiten, rufen Kreativität hervor und ermöglichen die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst. Solches steht allerdings nicht im Stundenplan und wird nicht unterrichtet.

Sucht nach Anerkennung

Grundsätzlich gilt: Nehmen wir uns nicht mehr die Zeit, uns unserem Selbst zu widmen, zu fragen, welchen Lebensprinzipien wir folgen wollen, wodurch wir innerlich motiviert werden, was wir wirklich gut und gerne tun, ohne von aussen dazu gedrängt oder dafür bewundert zu werden, so schaffen wir den Nährboden für einen ungesunden Narzissmus. Dem Narzissten ist eigen, dass er nicht weiss, was er wirklich gut kann und was ihm innere Zufriedenheit verschafft.

Er richtet sich nach seiner Umgebung und tut das, wovon er denkt, dass er am meisten Bewunderung erhält. Er strebt nach einer Position in einem sozialen System und verschmilzt mit ihr, weil er daraus auf sein Selbst schliesst. Dieses Selbst entbehrt aber jeder gefestigten Grundlage. Nur Lob und Bewunderung der anderen verschaffen ihm die Gewissheit, dass es existiert.

Die nachfrageerzeugende Produktion von Konsumgütern tut ihr übriges, um das narzisstische Ich zu nähren, indem der Besitz scheinbar Anerkennung und Status verschafft. Der Bewunderungsanspruch wird zur Sucht, weil das Ich ohne Fundament niemals satt wird, denn das Lob fällt schliesslich ins Leere. So geht der Narziss durch die Welt, immer im Gefühl, im Leben zu kurz gekommen zu sein und zu wenig Beachtung gefunden zu haben. Schuld daran sind andere.

Das gefestigte Selbst

Deswegen nimmt er sein Umfeld in die Pflicht, es hat dafür zu sorgen, dass er in seiner Position bestätigt wird und seine Gier nach Zufriedenheit gestillt wird. Dieser Vorgang ist existenziell, denn die Position zu verlieren hiesse, das Selbst zu verlieren und in der eigenen Leere zu verschwinden. Bei so viel existentieller Konzentration auf Erhalt, Festigung und Erweiterung der eigenen Stellung ist kein Raum für Empathie.

Beziehungen werden nach einer arithmetischen Kosten-Nutzen-Rechnung gemacht. Wer meine Position festigt und mir Glanz verleiht, der ist es wert, dass ich zu ihm eine Beziehung unterhalte. Es ist wohl nicht erstaunlich, dass solche Charaktere nicht selten einen gesellschaftlich hohen Status haben und auch in höheren Managementetagen anzutreffen sind.

Der Preis hierfür ist allerdings hoch – es ist der Verlust des ursprünglichen und einzigartigen Selbst, auf einem stabilen Fundament. Das Selbst, das uns eine klare innere Haltung und Ausrichtung verleiht. Einen sicheren Boden, auf den wir uns verlassen, um uns selber mit Selbstachtung, Selbstvertrauen und echter Wertschätzung begegnen zu können. Ein Selbst, welches ein Positionsverlust und andere Verluste gut bewältigen kann. Wir zahlen den Preis der Emotionslosigkeit. Emotionen zu haben und sie mitteilen zu können, hiesse spontan, ohne Erwartungen auf Gegenleistung, auf unser Gegenüber zu- und eingehen zu können. Es hiesse, Vertrauen und Halt geben, damit wir Beziehungen und schliesslich auch unsere Gesellschaft auf starkem Fundament aufbauen können.

Neuerscheinung 2014: „Die Kunst des klugen Umgangs mit Konflikten“

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

in den Kommentaren von LeoA und Thomas Binder zeigt sich das ganze Dilemma der Anthropologie:

Für die Idealisten wie Binder ist - ganz nach Rousseau - der Mensch herzensgut und nur die Umstände, die sind nicht so.

Für Binder sind es die Naturbösen, die 1% der Menschheit ausmachen und die anderen mit Tricks und Zirkus unterwerfen.

Für LeoA ist es - frei nach Hegel und Lacan - die Begierde nach Anerkennung, die die Menschen zu Konkurrenten macht und nach "Aussenfüllung" lechzen lässt. Ohne vertikale Orientierung kann das nicht gut enden, sagt der grosse Sloterdijk. Und auch Lacan meint, dass ohne den "grossen Anderen" (Strukturen, Tradition, Regeln) - sprich in der Postmoderne - der Mensch nicht mehr weiss, was er wirklich will.

Thomas Binder meint stellvertretend für alle "Gutmenschen", die er zu rehabilitieren wünscht, dass es weder vertikale noch horizontale Abgrenzungen braucht - Religionen, Ethnien, Ideologien und Grenzen, all das ist unnatürlich, steht nur der Güte des Menschen im Weg und wird von den paar Machtmenschen missbraucht. "Wir sind alle Brüder und Schwestern."

Nun, die Verhaltensforschung hat längst gezeigt, dass der Mensch - wie alle Primaten - natürlich keineswegs von Natur aus gut ist. Es ist mit anderen Worten, je nach Hormonhaushalt/Veranlagung, für den Menschen viel lustvoller, den anderen niederzumetzeln oder zumindest zu betrügen, statt ihm im Heim die Nägel zu schneiden. Dazu braucht es auch keine soziopathischen "Führer", das ist gegeben.

Unsere gegenseitigen Grenzen und Kulturen sind denn auch keine Erfindungen von Machtmenschen, sondern ganz im Gegenteil Schutz- und Identitätssysteme. Der einzige Schutz gegen ein Überborden der Kulturen - sprich wenn sie gewaltorientiert / patriarachalisch sind - ist: Zivilisation. Und zwar die westliche, emanzipierte, nicht die östliche, an Kasten und Kismet orientierte. Und Zvilisation heisst ein gewisses Wertesystem mit individualistischen Freiheitsrechten zuvorderst (sprich denen von Locke). Alles andere ist Unterdrückung.

Die Klage von Ruth Enzler ist berechtigt, aber ist sehe wie weniger im Umfeld von Anthropologie zu führen, sondern es geht um Kulturkritik. Früher war dies ein rein konservatives Feld, jetzt wird auch dem linksliberalen Milieu die Tendenz zunehmend ungeheuer: Die Jugend ist unpolitisch, aufmerksamkeitsschwach bzw. schnell gelangweilt, emotional verkümmert und gefangen in Konsum und Statusorientierung.

Mal abgesehen von der "Sucht nach Anerkennung", die nach Hegel schon immer da war (s. Phänomenologie des Geistes, Herr und Knecht): Alle von Enzler beklagten Symptome halte ich für Ausdruck der Postmoderne und des "Grossen Relativismus" nach 68. Denn da wurden und werden alle Unterschiede eingeebnet, sei es zwischen den Geschlechtern, den Ethnien, den Kulturen und den Ideologien – statt Ideologien, die ich für einen wertvolle Wettstreit der Ideen halte, gibt es nur noch Technokraten, aber diese können uns nicht begeistern. (Darum hat auch der griechische Rebell mehr Sexappeal als Frau Merkel.)

Fazit: Der Preis für den modernen Menschen, der seiner kulturellen, geschlechtsspezifischen und ideologischen Merkmale und Leidenschaften beraubt ist – zum Zwecke der wohlgemeinten Domestizierung und Genderisierung – ist der narzistische, ich-schwache, konsumorientierte, wertfreie Langweiler, den Frau Enzler beschreibt und den wir alle kennen. Alles hat eben zwei Seiten (wieder Hegel).

Die westliche Zivilisation mit ihrem gewissen Wertesystem und individualistischen Freiheitsrechten soll's richten ? Also weiterhin dem "EU-Friedensreich mit der alternativlosen Einheitswährung" vertrauen ? Wohl kaum. Anderseits, Herr Wolf, teile ich ihre Kulturkritik am *Grossen Relativismus", der alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Ethnien, Ideologien, einebnet.
Der jenes gutgemeinte wie langweilige Multikultibewusstsein hervorgebracht hat.
Aber wie LeoA angedeutet hat, steht über der Wirtschaft, der Politik und Kultur (das Medium der Kultur ist für mich die Sprache) auch noch ein "höheres Legitimationssystem", wo es um höchst persönliche Weltanschauung, Ethik, Religion, Spiritualität, geht.
Diese höchste Legitimation kennt Axiome und Rituale und findet seinen Weg vom wahren ICH zum DU.

Die EU hat meines Erachtens nur noch wenig mit dem liberalen Wertesystem eines Locke oder Hume gemeinsam. Die meine ich ganz sicher nicht als Modell, Herr Meyer. Ich meine die alte Aufklärung, nicht die moralisierende internationalistische von heute.

Ach, immer das selbe Narrativ!

Wodurch soll sich das Selbst denn vom Ego/Ich unterscheiden? Wer soll da denn etwas reingezaubert haben? Die Kontingenz? Die Neurotechnik??

Fakt ist, dass ein Mensch ohne vertikale Orientierung (wie Sloterdijk das nennt) einfach nur an seinen widersprüchlichen Trieben und "Gefühlen" verödet, die keinen Sinn geben. Ohne Orientierung nach "oben", nur mit ausschließlicher Orientierung am horizontalen Befülltwerden durch andere - seis Familie oder Karriere, egal - ist der sog. Burn-Out unausweichlich. Er kennzeichnet, dass die Außenfüllung vom Immunsystem abgestoßen wird, das nach etwas anderem verlangt. Man nannte dieses andere mal Geist - die Verbindung zu Gott.

Diesen "seltsamen" Mangel hat sogar der Freud-Nachfahre Lacan benannt: es funktioniert nicht, den großen Anderen in den kleinen anderen zu projizieren, nicht dauerhaft, und nicht ohne Enttäuschung. Gesundheit im psychischen Sinn ist allein irdisch nicht machbar - auch Lacan. Nur Funktionsfähigkeit, wenn auch immer mühsamer.

Jeder Augenblick ist ewig, wenn Du ihn zu nehmen weisst.

Ist ein Vers der unaufhörlich Leben, Welt und dasein preist.

Alles wendet sich und endet und verliert sich in der Zeit, nur der Augenblick ist immer
gib Dich hin und sei bereit.

Wenn Du stirbst, stirbt nur Dein werden
gönn ihm keinen Blick zurück

In der Zeit muss alles sterben
aber nichts im Augenblick.

Ein gutes Stück!

Es erscheinen immer mehr Bücher und Artikel über den in uns allen vorhandenen mehr oder schweren mehr oder weniger bösartigen Narzissmus und immer mehr Menschen haben den "Durchblick". Ich hoffe, die "Welt" wacht rechtzeitig wieder auf und das "Zeitalter des Narzissmus", den es natürlich schon immer gegeben hat, aka "Erbsünde", aka Hannah Arendts "Banalität des Bösen", aber früher halt v.a. bei als solche sofort erkennbaren Monarchen, Diktatoren, Despoten, heute versteckt in der demokratischen Gesellschaft, nimmt ein Ende vor der Apokalypse - ich war, bin und bleibe ein unverbesserlicher Optimist.

Das grösste Problem, die eigentliche Geissel, der Menschheitsgeschichte, sind nicht Kommunisten, Sozialisten, Rechtsnationale, Juden, Moslems, Christen, Schwarze, Weisse, Homosexuelle, Heterosexuelle, etc. pp. Es ist immer nur ein (oder maximal eine Handvoll) schwerstgradig narzisstisch Persönlichkeitsgestörter (NPD), welcher diese Ideologie oder jene Religion oder jede andere "Kategorie" Menschen für seine eigensüchtigen / -nützigen Zwecke missbraucht und seinen schwerstgradigen Narzissmus mit Vorliebe einer ganzen Nation oder, am allergrandiosesten, der ganzen Welt überstülpen will. Einige nennen diese (Un)menschen das "personifizierte Böse". Prominente Beispiele sind: Hitler, Stalin, Breivik, andere (Massen)mörder, Kinderschänder u.ä. Es gibt unter ihnen aber auch ihre Perversion scheinbar sozialverträglicher auslebende Politiker, Wirtschaftsführer oder Superreiche. Die allerschlimmsten der Psychopathen, die "wahren Teufel", sind die Puppenspieler von Marionetten wie Hitler, Stalin & Co.

Die vollständige Perversion der moralischen Werte, aus deren "unwahr" wird "wahr", aus deren "Unrecht" wird "Recht" und aus deren "böse" wird "gut", ist die Voraussetzung für den "Erfolg" dieser Menschen, welche immer Recht haben und in jedem, der sich ihnen entgegen stellt, den "Bösen" sehen müssen. Sie wird deshalb von diesen Meistern der Manipulation, des Mobbings, Stalkings und der Umkehr der Täter-Opfer-Relation immer systematisch und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen und Mitteln der öffentlichen Kommunikation (Medien) betrieben.

Anstatt sich deren ethischem Wertewandel, deren "divide et impera" und "panem et circenses" freiwillig und brav zu unterwerfen, sich von ihnen kaufen oder leimen und verar..... zu lassen, sich gegenseitig zu zerfleischen und ihnen zu applaudieren, was deren Grandiosität immer weiter erhöht, müssten sich die 99% "nur" vereinigen gegen die fast immer untherapierbaren 1%: Diese auf der Stufe eines kleinen Kindes stehenden, das verzweifelt ruft - "Hilfe, achtet, anerkennt und liebt mich von allen verkanntes Genie!" - immer ein katastrophales Selbstwertgefühl aufweisenden Menschen, welche keinen Finger rühren ausser aus Eigensucht / -nutz, niemanden lieben können, nicht einmal sich selbst, sondern alle hassen müssen, welche ihnen nicht applaudieren, am meisten sich selbst, und auch keinerlei Probleme mit der auf ihren Tod allenfalls folgenden Sintflut kennen, kurz bemitleiden, sie dann auslachen und sie dann einfach ignorieren. Selbstverständlich müssen die allerschlimmsten gemeingefährlichen unter ihnen, nicht als Strafe sondern zwecks Prävention weiterer Opfer, rechtzeitig und konsequent verwahrt werden.

wow! Herr Binder, was für ein Beitrag! Und warum schaffen das die 99 % anderen nicht gegen dieses eine Prozent? das wäre dann meine grosse Frage.

Danke, liebe Annabeth!

Beim ganzen "99% versus 1%", meiner TOAE© ;) (Theory Of Almost Everything©) respektive Hannah Arendts "Banalität des Bösen" oder der "Erbsünde", die sich derzeit in Gaza, beim IS, in der Ukraine, in Paris und in Baden für alle offensichtlich in der Praxis bestätigt, geht es um das Thema schwerer (bösartiger) Narzissmus. Die "Bösartigen" bedienen den Narzissmus in uns "Gutartigen" und schaffen es in einer Kettenreaktion und mit "divide et impera" und "panem et circenses", fast die ganze Welt in ihrem Verblendungszusammenhang gefangen zu halten.

Dabei ist das scheinbar unglaublich Komplizierte in Wahrheit immer ganz einfach: Sie!

Religionen, Ethnien, Ideologien und geographische Grenzen sind scheinbare von Machtmenschen eigennützig missbrauchte und bisweilen auch erschaffene Kategorien zur Ab- und Ausgrenzung. Sie sind im Menschen nicht angelegt und deshalb unnatürlich.

Einer der derzeit schlimmsten diesbezüglichen Mythen ist die postkoloniale Neuerfindung des "Clashes of civilizations" durch Samuel Huntington, Berater des US-Aussenministeriums, zwecks scheinbarer Legitimation des ethisch-moralisch nicht vertretbaren neoliberalen Neo-Kolonialismus, inklusive "Terrormanagement" mit Führen von "Angriffskriegen". Wir müssen diesen Mythos - jeder von uns kennt auf diesem Planeten fast nur friedliebende Menschen - wieder aus unseren Köpfen kriegen.

Wir alle sind Brüder und Schwestern. Wenn wir auf diesem endlichen wunderbaren Planeten gemeinsam in Frieden und in einigermassen gesicherten sozioökonomischen Verhältnissen überleben möchten, sind wir dazu berufen respektive verdammt, diese unsere Verwandtschaft über alles andere stellen zu wollen und zu können, gemeinsam füreinander zu sorgen, uns miteinander zu freuen und auch miteinander zu leiden. Wir dürfen respektive müssen lernen, die ganze Menschheit als unsere Familie zu akzeptieren und zu respektieren, unsere Empathie für unsere Familie auf die Menschheit zu erweitern.

Gleichzeitig müssen wir alle lernen, bei Bedarf auch selber "böse" zu sein und die schlimmsten der immer untherapierbaren "Psychopathen" ins Pfefferland zu schicken.

Dies wird genau so lange nicht funktionieren, bis die Menschen, welche dies realisiert haben, von den Profiteuren der Ab- und Ausgrenzung und den von ihnen Verblendeten, Verführten, Indoktrinierten und Gekauften nicht länger als "naive Gutmenschen" entwertet werden können respektive bis sie deren scheinbare Entwertung als in Wahrheit grösstes Lob begriffen haben.

Yesterday I was clever, so I wanted to change the world.
Today I am wise, so I am changing myself.
(Rumi)

Es beginnt schon in der frühsten Kindheit, das Antrainieren narzisstischen Verhaltens. Machst du was die wollen, denen auch gefällt, kriegst du Küsse, wenn nicht…(Sie küssten und sie schlugen ihn.) Auch folgsame Kinder müssen ständig befürchten etwas falsch zu machen. Gelernt ist gelernt! Das Kind beginnt sein inneres Selbst zu verleugnen und ändert sich in Richtung was gefällt. Letzthin ist mir bei zwei Sendungen Tatort aus (D) ein Gesicht aufgefallen, erinnert an die Ausdruckskraft eines K. Kinski, ein gewisser Uwe Bohm, da kann man ablesen, miterschrecken, Situationen in Realtime mitempfinden, wunderbar gespieltes Gegenteil von Narzissmus…einfach grossartig….cathari

Da muss nichts "antrainiert" werden. Das ist da - und gerade bei Kindern extrem gut zu besichtigen. Das sind keine unschuldigen, unbeschriebenen Blätter - die bringen schon einiges mit....

@LeoA 23.54
Ich suchte den Widerspruch und bekam ihn. Sie haben recht, sowohl Eifersucht wie auch Geltungsdrang, ja sogar Neid scheinen angeboren zu sein. Nur die Unterstützung kommt dann noch von uns. Viele nehmen sich später mit den Jahren etwas zurück und sehen sich als eine Person von vielen….cathari

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren